Wohnberechtigungsschein: Ein Antrag lohnt sich für viele

Gerade in Großstädten und Ballungsräumen ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt angespannt. Die Mieten steigen und das Angebot ist knapp. Menschen mit geringem Einkommen kann ein Wohnberechtigungsschein die Wohnungssuche erleichtern.

Der Wohnberechtigungsschein, abgekürzt „WBS“ und umgangssprachlich auch „Paragraf-8-Schein“ genannt, berechtigt Mieter in Deutschland dazu, eine mit öffentlichen Mitteln geförderte Wohnung, eine sogenannte Sozialwohnung, in Anspruch zu nehmen. Er wird auf Basis des Wohnungsbindungsgesetzes (WoBindG) und des § 27 Abs. 3 bis 5 WoFG (Wohnraumförderungsgesetz) vergeben. 

Wer bekommt einen WBS?

Einen Wohnberechtigungsschein erhält auf Antrag, wer bestimmte Voraussetzungen erfüllt:

  • deutsche Staatsangehörigkeit oder die eines Mitgliedslandes der Europäischen Union (EU)
  • ausländischer Bürger mit einer Aufenthaltserlaubnis von mindestens einem Jahr

Außerdem dürfen bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden, die die Bundesländer nach §§ 20 bis 24 WoFG selbst festlegen. Bei der Antragstellung wird das gesamte Einkommen eines Haushalts berücksichtigt. Gemeinden und Städte haben zudem die Möglichkeit, weitere Details individuell zu gestalten. So legen viele eine Mindestaufenthaltsdauer von zwei oder mehr Jahren fest, bevor man überhaupt als Antragsteller infrage kommt.

Wo beantragt man den WBS?

Der Wohnberechtigungsschein wird auf Antrag vom Wohnungsamt der Stadt oder Gemeinde ausgestellt. Ein persönliches Erscheinen ist dafür in der Regel nicht notwendig. In den meisten Regionen lassen sich detaillierte Informationen zum WBS über regionale Internetplattformen abrufen. 

Meistens gibt es dort auch den Antrag zum Download. Telefonische Auskünfte und die Zusendung des Antrags sind ebenfalls möglich. Die ausgefüllten Formulare und die Kopien der Nachweise werden schließlich entweder postalisch an das Amt geschickt oder dort abgegeben.

Benötigte Unterlagen für den WBS

Wichtig ist es, alle Unterlagen für die Bearbeitung einzureichen. Wenn etwas fehlt, weist die Behörde den Antragsteller in einem Schreiben darauf hin. Je nach den persönlichen Verhältnissen werden folgende Unterlagen benötigt:

  • ausgefüllter Antrag auf einen Wohnberechtigungsschein
  • Einkommenserklärung für die letzten 12 Monate
  • Einkommensbescheinigung vom Arbeitgeber
  • Partnerschaftserklärung
  • ggf. Erklärung über das gemeinsame Sorgerecht

In Kopie:

  • Meldenachweise von allen im Antrag genannten Personen
  • Ausweisdokumente von allen Personen
  • Mutterpass sowie Geburtsurkunden der Kinder
  • Heiratsurkunde, Lebenspartnerschaftsurkunde oder Nachweis über anderen Familienstand (in Scheidung, verwitwet u. dgl.)
  • Vaterschaftsanerkennung
  • Schwerbehindertenausweis
  • Mutterpass bzw. Vaterschaftsanerkennung
  • Semesterbescheinigung
  • bei Ausländern Nachweis über die Erlaubnis zum Aufenthalt

Nicht berücksichtigt werden bei der Einkommensberechnung:

  • Kindergeld / Wohngeld
  • Leistungen aus der Kranken- und Pflegeversicherung
  • Arbeitnehmersparzulage (wenn steuerfrei) 
How to apply for a WBS
Everything you need to know about applying for a WBS

Diese Angaben gelten weitgehend in jedem Bundesland. Hinweise auf geringfügige Abweichungen findet man in den detaillierten Formblättern der jeweils zuständigen Behörde.

Größe des Wohnraums

Je nach Anzahl der Personen in einem Haushalt steht Antragstellern eine bestimmte Wohnraumgröße zu. Grundsätzlich gilt, dass jeder Wohnberechtigte und seine mitziehenden Angehörigen einen eigenen Wohnraum haben sollten. Demnach steht einer alleinstehenden Person eine Einzimmerwohnung zu, während einem Paar mit drei Kindern bis zu fünf Wohnräume zustehen. Darüber hinaus geben einige Städte und Gemeinden auch die Quadratmeterzahl der Wohnung vor:

1 Person

bis 45 m2

2 Personen

bis 60 m2

3 Personen

bis 75 m2

4 Personen

bis 90 m2

jede weitere Person

plus 15 m2

 

Gültigkeitsdauer und Einzugsgebiet des WBS

Ein Wohnberechtigungsschein gilt ab dem Tag der Ausstellung durch die Behörde für genau ein Jahr. Er ist bundesweit gültig, allerdings muss bei einem Umzug die zuständige Behörde vor Ort aufgesucht werden, da jedes Bundesland andere Detailregelungen hat. Wer erneut in eine Sozialwohnung ziehen möchte, muss einen neuen WBS beantragen. 

Lohnt es sich, einen WBS zu beantragen?

Einen WBS zu beantragen, lohnt sich für verschiedene Personengruppen. Vermieter von Sozialwohnungen sind an eng gesteckte Miethöhen gebunden. Die Mieten lassen sich nicht in beliebiger Höhe festlegen, sondern richten sich nach dem regionalen Einkommensdurchschnitt und dem Mietspiegel(GRANRTYGE28848). Außerdem sind die Mieter von WBS-Wohnungen weitestgehend vor enormen Mietsteigerungen geschützt. Wohnungen, für die ein WBS benötigt wird, sind in den jeweilen Wohnungsannoncen gekennzeichnet und Sie können sich gezielt auf diese bewerben.

Die Anträge von Alleinerziehenden, Senioren, Schwangeren und Behinderten werden bevorzugt behandelt. Einige Kommunen haben inzwischen auf die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt reagiert und die Einkommensgrenzen erhöht, damit mehr Menschen mit durchschnittlichem Einkommen einen WBS beantragen können. Die Prüfung des Einzelfalls lohnt sich in jedem Fall.